Wie viel Krone darf bei einem Schnitt weg?
Bei einem Schnitt nehmen Sie höchstens 20 Prozent der Krone weg, bei sehr wüchsigen jungen Bäumen höchstens 30 Prozent. Diesen Grundsatz beschreibt ein Baumpflege-Professor für die Pflege junger Straßenbäume. Wer mehr auf einmal schneidet, nimmt dem Baum viel Blattmasse, und er muss mehrere große Wunden zugleich schließen.
Auch die Wunden zählen. Bei einem Termin sollen keine Wunden über 3 Zentimeter Durchmesser direkt neben- oder übereinander entstehen.
Welche Art Rückschnitt passt zu Ihrem Ziel?
Beim Zurückschneiden geht es meist um eines von vier Zielen. Sie wollen tote oder kranke Äste loswerden, die Krone kleiner machen, einen jungen Baum aufbauen oder Platz über einem Weg schaffen. Jedes Ziel verlangt einen anderen Schnitt.
- Tote, kranke und eingerissene Äste entfernen. Die Krone bleibt so groß, wie sie war.
- Die Krone kleiner machen. Ein Baumpfleger kürzt die Äste bis zu einem Seitenast, der ihre Aufgabe übernehmen kann.
- Einen jungen Baum aufbauen. Wenige gezielte Schnitte lenken, wie die spätere Krone wächst.
- Platz über Weg oder Straße schaffen. Es weichen die untersten Äste, die im Weg hängen.
Bei einem hohen Baum klettert ein Betrieb mit Seil in die Krone und entscheidet dort, welche Äste die Krone tragen und welche weichen können.
Wo schneiden Sie einen Ast richtig ab?
Ein Ast wächst aus einer Verdickung am Stamm heraus. Fachleute nennen sie Astring. Von ihr hängt ab, ob der Baum die Schnittwunde wieder schließen kann. Schneiden Sie deshalb knapp außerhalb dieser Verdickung, im rechten Winkel zum Ast, also schräg zum Stamm. Verletzen Sie die Verdickung nicht.
Fehlt die Verdickung, schneiden Sie parallel zum Stamm, aber ohne die Rinde am Stamm zu verletzen. Lassen Sie keinen Stummel stehen.
Dicke Äste sägen Sie in drei Schritten ab, damit die Rinde nicht bis in den Stamm einreißt:
- Sägen Sie zuerst von unten einen Entlastungsschnitt, etwa 20 Zentimeter vom Stamm entfernt.
- Sägen Sie dann von oben, wenige Zentimeter weiter außen, den Ast ab. Er bricht kontrolliert.
- Schneiden Sie den Rest glatt an der Verdickung am Stamm ab.
Sehr dicke Äste entfernen Sie nur mit gutem Grund. Je nach Baumart faulen schon Wunden von mehr als 5 bis 10 Zentimetern Durchmesser tief in das Holz hinein. Starkäste über 10 Zentimeter sollten nur weichen, wenn es für die Sicherheit unbedingt nötig ist.
Wie oft muss man einen Baum zurückschneiden?
Die Abstände zwischen den Terminen wachsen mit dem Alter des Baums. Junge Bäume brauchen alle 2 Jahre einen Termin, insgesamt 2 bis 3 Mal. Danach folgen 3 bis 4 Termine im Abstand von 3 Jahren und 4 bis 5 Termine im Abstand von 4 Jahren. Ein ausgewachsener Baum kommt mit einem Termin alle 8 Jahre aus.
| Alter des Baums | Abstand zwischen zwei Terminen | Termine in dieser Phase |
|---|---|---|
| Jugend, kurz nach der Pflanzung | alle 2 Jahre | 2 bis 3 |
| weiterer Aufbau der Krone | alle 3 Jahre | 3 bis 4 |
| Folgezeit, Krone gefestigt | alle 4 Jahre | 4 bis 5 |
| ausgewachsener Baum | alle 8 Jahre | laufend |
Ein junger Baum aus der Baumschule hat eine kleine, tief ansetzende Krone. Sie ist nur für die ersten Jahre gedacht. Bei jedem Termin entfernt der Baumpfleger die stärksten Äste in dieser unteren Krone und baut oben die spätere Krone auf. Er arbeitet von oben nach unten: erst die Äste, die mit der Spitze des Baums konkurrieren, dann Äste mit schlechtem Ansatz und gebrochene oder sich reibende Äste, zuletzt die untersten.
Wer die Pflege versäumt, muss Jahre später auf einmal große Äste entfernen. Das hinterlässt große Wunden und ist meist deutlich teurer als regelmäßige Pflege. Bei regelmäßiger Pflege nimmt der Baumpfleger oft nur 2 bis 4 Äste je Termin weg.
Bei alten Bäumen verheilen Wunden sehr schlecht. Dort entfernt man deshalb keine Äste am Stamm und kürzt sie bei Bedarf nur ein.
Wann heilt ein zurückgeschnittener Baum am besten?
Von April bis August heilt eine Schnittwunde am besten. Das Merkblatt des Landkreises Cham nennt drei Gründe: Im März und April trocknet der Wundrand am wenigsten aus. Von April bis Juni wächst die Wunde am stärksten mit neuem Holz zu. Von Mai bis August wirkt die Abwehr gegen Fäulnis am besten.
Im Herbst und Winter schneiden Sie besser nicht. Die Wundränder trocknen aus, und Pilze und Bakterien dringen leichter ein. Ausgenommen sind tote und dürre Äste und der Einbau einer Kronensicherung.
Blutende Arten wie Ahorn, Birke, Walnuss und Süßkirsche schneiden Sie nicht im Frühjahr, weil dann viel Saft austritt. Warten Sie, bis die Blätter offen sind, meist ab Anfang Mai.
Das kann ein Zielkonflikt sein. Gilt für Ihren Baum die Vogelschutzperiode vom 1. März bis 30. September, bleiben für größere Schnitte nur Oktober bis Februar. Unter diesen Monaten bewertet das Merkblatt den Februar am besten, November und Dezember am schlechtesten.
Welche Schnittfehler schaden dem Baum?
Diese Fehler lassen Wunden schlecht heilen:
- Ein Schnitt mitten im Ast statt außerhalb der Verdickung am Stamm.
- Ein Stummel, der über der Verdickung stehen bleibt.
- Ein Schnitt parallel zum Stamm, obwohl eine Verdickung zu sehen ist. Der Baum kann die große Wunde kaum schließen.
- Rinde, die beim Absägen dicker Äste bis in den Stamm einreißt, weil der Entlastungsschnitt fehlt.
- Zu viele große Wunden bei einem Termin.
Geht es nur um tote oder kranke Äste?
Ein Pflegeschnitt reicht. Die Krone bleibt so groß, wie sie ist.
Soll die ganze Krone kleiner werden?
Dann kürzt ein Baumpfleger die Äste ein. Er nimmt pro Termin höchstens etwa 20 Prozent der Krone weg.
Ist der Baum jung und noch im Aufbau?
Dann hilft ein Aufbauschnitt mit wenigen gezielten Schnitten alle 2 bis 4 Jahre.
Stört ein einzelner Ast über Weg oder Straße?
Dann lassen Sie nur diesen Ast entfernen oder einkürzen.
Ein ausgewachsener, unauffälliger Baum braucht etwa alle 8 Jahre Pflege.
Häufige Fragen
Wie stark darf ich die Krone eines Baums einkürzen?
Bei einem Schnitt sollten Sie höchstens 20 Prozent der Krone entfernen, bei sehr wüchsigen jungen Bäumen bis zu 30 Prozent. Den Grundsatz beschreibt ein Baumpflege-Professor für die Pflege junger Straßenbäume. Wer mehr auf einmal schneidet, nimmt dem Baum viel Blattmasse und zwingt ihn, mehrere große Wunden zugleich zu schließen.
Wo schneide ich einen Ast am Baum ab, damit die Wunde heilt?
Schneiden Sie den Ast knapp außerhalb der Verdickung am Stamm ab, im rechten Winkel zum Ast, also schräg zum Stamm. Fehlt die Verdickung, schneiden Sie parallel zum Stamm und verletzen dabei die Rinde am Stamm nicht. Lassen Sie keinen Stummel stehen.
Wann ist der beste Monat für einen Baumschnitt?
Die Wunde heilt von April bis August am besten. Gilt für Ihren Baum die Vogelschutzperiode vom 1. März bis 30. September, sind größere Schnitte nur von Oktober bis Februar möglich. Blutende Arten wie Ahorn und Birke schneiden Sie erst nach dem Laubaustrieb, meist ab Anfang Mai.
Wie oft muss ich einen Baum zurückschneiden?
Ein junger Baum braucht in den ersten Jahren alle 2 Jahre einen Schnitt, danach steigt der Abstand auf 3 und 4 Jahre. Ein ausgewachsener Baum kommt mit einem Termin alle 8 Jahre aus, wenn er als junger Baum regelmäßig gepflegt wurde.
Brauche ich für das Zurückschneiden meines Baums eine Genehmigung?
Ob Sie eine Genehmigung brauchen, hängt von Ihrer Stadt ab. Steht der Baum unter einer Baumschutzsatzung, also der Regel Ihrer Stadt für bestimmte Bäume, fragen Sie vorher dort nach. Von März bis September gilt außerdem die Vogelschutzperiode, in der nur schonende Pflegeschnitte erlaubt sind.
