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Wie gefährlich ist ein Pilz am Baum?

Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am

Wächst ein Pilz am Stamm, am Stammfuß oder an den Wurzeln eines lebenden Baums, ist das meist ein Warnzeichen für Fäule im Holz. Als besonders gefährlich gilt der Brandkrustenpilz, auch der Riesenporling. Ob der Baum noch sicher steht, zeigt erst eine Messung der gesunden Holzwand im Stamm. Fällen müssen Sie nicht sofort, aber untersuchen lassen möglichst bald.

Mindestwand am hohlen Stamm
etwa ein Drittel des Stammradius
SAG Baumstatik (F. Gruber), Die Ein-Drittel-Regel: richtig und wichtig, aber meist irrelevant, Stand 22. September 2026
Pilzarten im Bestimmungsfächer für Fachleute
44 Arten
Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), Baumpilze erkennen: Biologie, Erstbestimmung und Risiko, Stand 19. Mai 2009
Eindeutige Warnzeichen für die Standsicherheit
8 Warnzeichen, der Pilz zuerst
Sinn, Biostatische Baumkontrolle Teil 1 (Arbeitstelle für Baumstatik), Stand 22. September 2026
Mehrere schalenförmige Pilze wachsen übereinander am Stamm eines Baums, dazwischen Moos.
Pilze am Stamm können ein Zeichen für Fäule im Holz sein. Bild: KI generiert.

Was verrät ein Pilz am Baum?

Ein Pilz, der am Stamm, am Stammfuß oder an den Wurzeln eines lebenden Baums wächst, ist meist ein Warnzeichen. Der Stammfuß ist die unterste Stelle des Stamms, dort, wo er in den Boden übergeht. Sichtbar ist nur der Teil des Pilzes, mit dem er sich fortpflanzt. Zersetzt wird das Holz darunter, im Stamm oder im Wurzelwerk. Oft läuft das seit Jahren, und von außen sieht man es nicht.

Nicht selten ist der Pilz der einzige Hinweis, bevor der Baum bricht. Ein Fachbüro für Baumstatik nennt ihn das erste und wichtigste Warnzeichen am stehenden Baum. Nicht jeder Pilz ist allerdings gefährlich. Manche wachsen nur auf totem Holz, andere sind harmlose Pilze vom Boden, die am Stammfuß auftauchen können. Deshalb sollte ein Fachmann die Art bestimmen.

Die Pilze richten auf zwei Arten Schaden an. Manche machen das Holz spröde, sodass der Stamm ohne Vorwarnung bricht. Andere machen es weich und zäh, sodass der Baum nachgibt. Beides mindert, wie viel der Stamm noch trägt. Fachleute nennen das Standsicherheit: wie fest der Baum im Boden steht und ob er bricht.

Neben dem Pilz sollten Sie auf diese Zeichen achten:

  • Kahle oder dünn belaubte Kronenteile, obwohl Bäume derselben Art daneben voll belaubt sind.
  • Frisch abgestorbene Äste ohne erkennbaren Anlass wie einen Sturm.
  • Ein hohler Klang, wenn Sie den Stamm vorsichtig abklopfen.
  • Abgelöste Rinde, Risse oder eine Verdickung am Stammfuß.
  • Schrägstand oder ein Stamm, der sich bei leichtem Wind neu bewegt.

Welche Baumpilze sind besonders gefährlich?

Nicht jeder Pilz ist gleich gefährlich. Entscheidend sind Art, Stelle am Baum und Menge. Ein Pilz am Stammfuß, wo die größte Last wirkt, wiegt schwerer als einer an einem einzelnen Ast.

Sieben Pilze, die Holz zersetzen, mit ihrem Sitz am Baum und ihrer Wirkung im Holz.
PilzWo er am Baum wächstWas er im Holz anrichtet
BrandkrustenpilzStammfuß und Höhlungen am StammMacht das Holz spröde. Sein schwarzer Belag ähnelt Teerspritzern und wird leicht übersehen.
RiesenporlingStammfuß, Wurzeln und der Boden bis mehrere Meter vom Stamm entferntZersetzt das Wurzelholz und mindert die Standsicherheit erheblich.
ZunderschwammStamm und ÄsteMacht das Holz spröde, der Stamm bricht ohne Vorwarnung.
SchwefelporlingStammfuß, Stamm und KroneMacht das Holz spröde, bis es zu braunem Pulver zerfällt. Der Pilz ist nur wenige Wochen zu sehen.
HallimaschStammfuß und HöhlungenZersetzt Holz an Stammfuß und Wurzeln und kann dem Baum den festen Stand nehmen.
Flacher LackporlingStammfuß und HöhlungenMacht das Holz früh weich. Der Stamm gibt zäh nach, statt plötzlich zu brechen.
Zottiger SchillerporlingStamm und KroneMacht das Holz zuerst spröde und später weich.

Der Brandkrustenpilz gilt bei Kontrollen der Verkehrssicherheit als einer der gefährlichsten Pilze. Er wurde lange als Holzzersetzer in lebenden Bäumen unterschätzt und ist leicht zu übersehen. Ein Baum mit diesem Pilz sollte auch ohne weitere Auffälligkeiten untersucht werden.

Manche Pilze wie der Schwefelporling sind nur wenige Wochen sichtbar. Machen Sie Fotos, solange er da ist. Die Fäule bleibt, auch wenn der Pilz verschwindet.

Wann ist ein Baum mit Pilz nicht mehr sicher?

Ob der Baum trotz Pilz stehen bleiben kann, entscheidet vor allem die Wand aus gesundem Holz, die im Stamm übrig ist. Fachleute vergleichen ihre Dicke mit dem Radius, also dem halben Durchmesser des Stamms. Ist die gesunde Wand dünner als etwa ein Drittel des Radius, gilt der Stamm als bruchgefährdet.

Gemessen wird nicht mit bloßem Auge. Ein Gutachter nimmt dafür ein Bohrgerät mit dünner Nadel oder ein Schallgerät. Beide tasten das Innere des Stamms ab, ohne den Baum stark zu verletzen. Erst dieses Ergebnis entscheidet, ob der Baum beobachtet, gesichert oder gefällt wird.

Ein einzelner neuer Pilz bedeutet oft noch keine Bruchgefahr. Ein Fachbüro nennt das Anfangsstadium und schreibt, viele Bäume seien dann noch sicher. Die Gefahr steigt, wenn Pilze an mindestens 2 Seiten des Stamms wachsen, sich an einer Stelle häufen oder seit vielen Jahren wiederkehren. Wachsen sie an 3 oder mehr Seiten, besteht meistens Bruchgefahr. Der Pilz kann außerdem schon Jahrzehnte im Baum gewesen sein, bevor er sichtbar wird. Ein Fachmann sollte den Baum deshalb trotzdem ansehen.

Was tun Sie bei einem Pilz am Baum?

Ein Pilzfund verlangt kein sofortiges Handeln mit der Motorsäge. Er verlangt aber ein geordnetes Vorgehen, damit der Befund erhalten bleibt. Das gehört auch zur Verkehrssicherungspflicht, also zur Pflicht, dass von Ihrem Baum niemand zu Schaden kommt.

  1. Fotografieren Sie den Pilz mit einem Zollstock als Maßstab, mit Datum und der genauen Stelle am Baum: Stammfuß, Wurzelbereich, Stamm oder Krone. Machen Sie die Fotos, solange der Pilz zu sehen ist, denn manche Arten sind nur wenige Wochen sichtbar.
  2. Klopfen Sie den Stamm vorsichtig ab und notieren Sie, ob er hohl oder voll klingt.
  3. Lassen Sie den Baum von einem Fachmann untersuchen, ohne auf die nächste planmäßige Kontrolle zu warten.
  4. Sperren Sie bei Verdacht auf Bruchgefahr den Bereich unter der Krone ab, bis die Untersuchung vorliegt.
  5. Lassen Sie den Pilz stehen, bis ein Fachmann ihn gesehen hat. Er ist für die Untersuchung ein wichtiger Hinweis.
  6. Halten Sie das Ergebnis der Untersuchung in Ihren Kontrollunterlagen fest, mit dem Termin der nächsten Kontrolle.

Wie eilig ist die Untersuchung?

Die Art des Pilzes gibt eine erste, grobe Richtung vor, ersetzt aber keine Untersuchung vor Ort. Sie hilft nur dabei, die Eile einzuschätzen, bevor der Fachmann kommt.

Wie eilig ist die Untersuchung nach dem Pilzfund?

Wächst der Pilz an einem lebenden Baum, am Stamm, am Stammfuß, am Wurzelwerk oder an einem dicken Ast?

Ja

Das ist ein Warnzeichen für Fäule im Holz. Lassen Sie den Baum möglichst bald von einem Fachmann untersuchen und halten Sie Menschen fern, wenn er schräg steht oder Risse hat.

Nein

Wächst der Pilz auf einem abgestorbenen Ast oder auf totem Holz?

Ja

Solche Pilze gefährden die Standsicherheit meist nicht. Lassen Sie den Ast bei der nächsten Kontrolle entfernen.

Nein

Lassen Sie den Pilz von einem Fachmann bestimmen, statt selbst zu urteilen.

Wann wird aus dem Pilzfund ein Gutachten?

Ein einzelner Pilzfund reicht meist noch nicht für ein volles Gutachten. Für eine genauere Untersuchung durch einen Fachmann reicht er aber. Bestätigt sie eine dünne gesunde Wand oder eine ausgedehnte Fäule, folgt oft ein Gutachten, das auch vor Behörden besteht. Wie viel ein Baumgutachten kostet, hängt vom Umfang ab.

Muss der Baum wegen des Befunds gefällt werden, prüfen Sie vorher, ob eine Baumschutzsatzung gilt, also die Regel Ihrer Stadt, die bestimmte Bäume schützt. In vielen Städten dürfen Sie bei akuter Gefahr sofort fällen und melden die Fällung danach. Welche Schwelle und welches Verfahren gelten, fragen Sie bei Ihrer Stadt oder Gemeinde nach.

Häufige Fragen

Muss ich einen Baum fällen, sobald ein Pilz daran wächst?

Nein, ein Pilz allein ist kein Grund für eine sofortige Fällung. Er ist ein Anlass, den Baum von einem Fachmann untersuchen zu lassen. Erst die Messung der gesunden Holzwand entscheidet, ob der Baum beobachtet, gesichert oder gefällt wird.

Welcher Pilz am Baum gilt als besonders gefährlich?

Als besonders gefährlich gilt der Brandkrustenpilz, weil er lange unterschätzt wurde und leicht zu übersehen ist. Auch Riesenporling, Zunderschwamm, Schwefelporling und Hallimasch können einen Baum stark schwächen. Entscheidend sind Pilzart, Stelle am Baum und Menge der Pilze.

Kann ich einen Baumpilz selbst sicher bestimmen?

Einen Baumpilz können Sie nur teilweise selbst bestimmen. Form und Farbe geben erste Hinweise, aber manche Pilze am Stammfuß sind harmlos und andere zeigen Fäule an. Ob ein Pilz harmlos ist, entscheidet ein Fachmann. Fotografieren Sie den Fund, statt selbst eine Diagnose zu stellen.

Kann ein Baum mit Pilzbefall noch lange stehen?

Ob ein Baum mit Pilzbefall noch lange steht, hängt vom Pilz ab. Manche Pilze zersetzen das Holz langsam oder greifen nur Teile an, die für die Standsicherheit kaum zählen, dann kann der Baum lange leben. Bei anderen bricht der Baum womöglich ohne Vorwarnung, weil der Pilz oft der einzige Hinweis ist. Lassen Sie den Baum deshalb untersuchen.

Wer haftet, wenn ein Baum mit unentdecktem Pilzbefall umstürzt?

Wem der Baum gehört, muss für den Schaden zahlen, wenn er seine Pflicht verletzt hat und der Pilz bei einer ordentlichen Kontrolle aufgefallen wäre. Wie oft und wie genau Sie kontrollieren müssen, steht in keinem Gesetz im Einzelnen. Gerichte orientieren sich an Fachrichtlinien. Lassen Sie sich beraten, wenn ein Schaden eingetreten ist.

Brauche ich für die Fällung eines Baums mit Pilzbefall eine Genehmigung?

Für die Fällung eines Baums mit Pilzbefall brauchen Sie in vielen Städten eine Genehmigung. Das gilt, wenn der Baum unter die Baumschutzsatzung fällt, also die Schutzregel Ihrer Stadt für Bäume. Bei akuter Gefahr dürfen Sie oft sofort fällen und melden die Fällung danach. Die Regeln unterscheiden sich von Stadt zu Stadt, fragen Sie deshalb bei Ihrer Stadt oder Gemeinde nach, ab welchem Stammumfang sie gelten.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. Holzzersetzung und Baumkontrolle, Technische Universität Berlin, Naturschutz und Denkmalpflege in historischen Parkanlagen,
  2. Biostatische Baumkontrolle Teil 1, Arbeitstelle für Baumstatik (AfB),
  3. Baumpilze erkennen: Biologie, Erstbestimmung und Risiko, Bundesforschungszentrum für Wald (BFW),
  4. Baumpilze, welche sind wirklich schädlich und was du tun solltest, Baumpflege Schlupek,
  5. Der Riesenporling (Meripilus giganteus), Baumpflege Kasper GmbH,
  6. VTA-Baumkontrolle: Mattheck Sichtprüfung, Geocadra,
  7. Die Ein-Drittel-Regel: richtig und wichtig, aber meist irrelevant, SAG Baumstatik e.V. (F. Gruber),

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Diese Angaben haben den Stand vom 26. September 2026.